Wandern auf Mallorca im Frühling 2010 – Ein Reisebericht

Dieses Jahr ist anders. Ein winziges Virus hat die schöne Tradition unterbrochen: Frühlingswanderwochen auf Mallorca. Dieses Jahr wäre das 10-jährige Jubiläum gewesen. Es sollte nicht sein, aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei den zuverlässigen Partnern auf der Insel und in Deutschland und natürlich bei den besten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die man sich wünschen kann. Zwei von Ihnen haben im Jahr 2010 den folgenden Reisebericht verfasst, ergänzt durch einige Bilder dieser Tour:

Wandern auf Mallorca im März 2010

Es ist Sonnabend früh um 9:12 Uhr – und kein Mietwagen und noch schlimmer: kein Ralf, unser bewährter Berg- und Wanderführer der vergangenen Woche. Er ist in aller Herrgottsfrühe mit den Dresdnern bereits in Richtung Heimat geflogen. Wir Stuttgarter und Frankfurter haben noch fast einen ganzen sonnigen Tag vor uns und erinnern uns…

Das Wetter wurde von Tag zu Tag wärmer und wir konnten zusehen, wie die Schneereste der vergangenen Woche in den Gipfellagen schmolzen. Für die Eingehtour auf den Talaida war das kein Problem und mit seinem vielfach Baedecker- gerühmten Abstecher durch das Felsentor Penya Roja waren wir begeistert gleich mittendrin auf schmalen Bergpfaden mit immer besseren Rundblicken auf die Piratenbucht. Auf dem Aufstieg vom unspektakulär erreichbaren Talaida über eine ausgedehnte, mäßig steile Bergflanke machen wir Bekanntschaft mit der typischen baumlosen Gras- und Buschlandschaft, die sich der Wasserarmut angepasst hat. Kurz vor dem Picknickplatz Coll Baixt wird der Blick an der Bergkante frei für die weit unten liegende Badebucht. Nach einem kurzen Waldstück geht es abwechslungsreich weiter durch das Trockental Torrent des Fontanelles. Das jetzt trockene Flusstal kann aber bei Gewitter offensichtlich ganz schnell gefährliche Flutwellen führen – Warnschilder weisen darauf hin. Schon in Sichtweite der Ermita de la Victoria, wo das Auto steht, müssen wir noch einmal tief in ein Quertal hinab und das längst ersehnte Bier rückt noch einmal etliche Höhenmeter in die Ferne.

Am nächsten Tag fahren wir an die Südwestküste nach Sant Elm und wandern von dort über den Pass Puig de sa Trapa zum dahinter tief liegenden ehemaligen Kloster Sa Trapa. Ein Umweltverband hat das gesamte Gelände gekauft und man kann die ersten Ergebnisse einer behutsamen Restauration erkennen. Wir staunen über die Akkuratesse der mörtelfreien Trockenmauern. Für die Rückfahrt nach Alcudia bietet uns Ralf gewissermaßen das Dessert für den Tag mit der Fahrt über die Gebirgsstraße mit kurzem Zwischenstopp in Valldemossa. Die Aus- und Tiefblicke sind teilweise atemberaubend und im Bus wird es zuweilen ganz still.

Am dritten Tag starten wir von Valldemossa aus zum Puig de Teixt. Die uns am Ortsausgang immer wieder begegnenden Olivenhaine mit ihren herrlich knorrigen Gestalten begrüßen wir inzwischen schon wie alte Bekannte. Nachdem wir über einen Forstweg die Waldgrenze erreicht haben, geht es auf bestens angelegten Wanderwegen auf ein Hochplateau unterm Teixt. Einige wollen diesen Gipfelabstecher mitnehmen. Nachdem wir amüsiert dank Leiter eine Trockenmauer, die den Privatbesitz der Finca Moragues markiert, überklettert haben, sind wir nach ca. 30 Minuten am Gipfel. Ganz plötzlich kommt dicker Nebel auf und lässt erahnen, welche Probleme das auf dieser weg- und orientierungslosen Hochebene bringen kann. Aber wir sind bald wieder bei den Wartenden und gehen entlang des Felsgrates Caragoli auf dem sogenannten Reitweg weiter, den Erzherzog Ludwig Salvator 1897 anlegen ließ. Der Weg ist bestens gepflegt und sicher ausgebaut, so dass man die wechselnden großartigen Tiefblicke über die gesamte Strecke genießen kann.

In der Wochenmitte sind die Schneereste in den Gipfellagen so zusammengeschmolzen, dass wir jetzt unser höchstes Ziel, den Puig de Massanella mit 1.352 m angehen. Ralf fährt über Inca hinauf auf den Pass Coll de sa Bataia, steil, eng und kurvenreich. Ein vor uns sich ängstlich hinaufschleichender touristischer Kleinwagen bremst uns immer mal wieder fast bis zum Stand aus. Das übersteigt selbst die sonst im hohen Maße erwiesene Beherrschungskunst von Ralf: „…Der fährt, als hätte er eine Fuhre Langholz…“. Vom Pass aus geht es zunächst durch herrlichen Steineichenwald in das Tal Richtung Massanella, kurz unterbrochen von dem zu entrichtenden Wegezoll der Finca Comafreda von 4 €/Person. Man muss früh starten und spät zurückkommen, wenn man dem entgehen will. Später führt ein gut angelegter Bergpfad steil in die Flanke des Berges bis zum Gipfelplateau. Von hier aus stapfen wir durch den Restschnee über leichtes Gelände zum Gipfel. Alle haben es geschafft und wir genießen die verdiente Pause mit umfassendem Rundumblick.

Nach vier Tagen mit Zielen in der Höhe will uns Ralf heute einen Schongang bieten. Wir fahren Richtung Nordosten nach Cala Ratjada. Nach einem Abstecher zu einem uralten Wachturm aus der Piratenzeit an der Landspitze der kleinen Anhöhe Talaia de Son Jamell steigen wir anschließend in die Badebucht Cala Mesquida ab. Schön ist dieser 580 m lange Strand mit den weit ins Hinterland ziehenden Dünen. Der Tag ist noch früh und wir beschließen, am Strand weiter zu laufen. Auf der ersten Anhöhe einer Landzunge beschließen die Schlauesten zu bleiben und auf unsere Rückkehr zu warten. Ralf meint, in 1 Stunde vom vor uns liegenden Wachturm zurück zu sein. Mir scheint das fast zu hoch gegriffen. Wir sollten uns beide gewaltig täuschen. Es ging immer wieder über neue, vorher nicht sichtbare Landzungen und weit ins Land hinein, um die Buchten zu umlaufen. Zuletzt bleiben noch 5 Leute übrig und die Vorgabezeit war schon auf dem Hinweg verbraten. Einen etwas ratlosen Anrufer konnten wir aber beruhigen: Nein, es hatten uns keine Piraten geschnappt. Nur mit dem Ruhetag war es etwas schwierig geworden.

Der letzte gemeinsame Tag für unsere gesamte Gruppe war dann schon ein gewisses Abschiednehmen. Noch einmal ging es auf allgemeinen Wunsch die spektakuläre Passstraße zum Coll de sa Bataia hinauf. Ralf hatte einen Rundweg um das Kloster Lluc mit annähernd gleichbleibendem Höhenprofil ausgewählt. Das ausgedehnte, bizarre Felsenlabyrinth war dabei ganz besonders beeindruckend. Die dicht stehenden, teilweise völlig skurrilen Formationen lassen allen Phantasien freien Lauf…

…und nun holt uns in drei Stunden der Bus zur Fahrt zum Flughafen ab. Wir bummeln nach einem opulenten Essen barfuß durch den Sand und bestaunen die Kitesurfer mit ihren Kunststücken. Unsere heute geschonten Muskeln spüren wir förmlich erleichtert aufseufzen.

Wir erahnen die Vielfalt der Insel und wissen: da ist noch jede Menge Platz für Wiederholungen und Neues.

U. und B. C.

– veröffentlicht im Heft 23, Januar 2011, Mitteilungen der Sektion Dresden des DAV e.V.“

Danke Uschi und Bernd! Und hier sind einige Bilder zum Text:

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