Schlagwort: digitale Souveräntität

Digitale Souveränität ist antagonistisch

Mit der digitalen Souveränität ist das so eine Sache. Man kann – und sollte – für sich selbst die nötigen technischen Entscheidungen treffen und Weichen stellen. Das habe ich getan und es fühlt sich gut an. Aber man ist nicht allein im Sozialuniversum und wie sich herausgestellt hat, hängt man an unsichtbaren, sozialen Fäden. Das sind z.B. geteilte Google-Kalender, die ganze Jahresprogramme enthalten. Klinkt man sich dort aus, bricht die Kommunikation zu gemeinsamen Veranstaltungen ab oder wird zumindest schwierig – Stichwort: Programmänderung. Also bleibt man vorerst dort, um sich nicht ins Abseits zu begeben.

Ähnlich verhält es sich mit Whatsapp. Teilnehmende an Lehrgängen oder Wanderwochen verabreden sich gern und oft in Whatsapp- Gruppen. Man tauscht Fotos aus, verabredet sich zu weiteren gemeinsamen Unternehmungen oder einfach nur zur Kontaktpflege. Der konsequente Guide oder Trainer hat sich dagegen für die eigene digitale Souveränität entschieden. Konsequenz: Er gehört nicht mehr dazu. Er will nicht mehr dazu gehören, zumindest technisch. Das ist die Konsequenz aus seiner Entscheidung. Ansonsten schon gern. Aber die Anderen sehen keinen Vorteil darin, z.B. zu Signal, Threema oder Matrix zu wechseln. Sie wollen nicht technischen oder datenschutzrechtlichen Argumenten folgen. Sie entscheiden sich ebenfalls für digitale Souveränität. Für ihre eigene. Man hat die Wahl, in beide Richtungen.

Digitale Souveränität beinhaltet also auch antagonistische Aspekte. Ich habe mich einerseits entschieden, digital souveräne Lösungen zu bevorzugen und entsprechend zu handeln. Andererseits sind mir meine sozialen Kontakte viel zu wertvoll, um sie zu ignorieren. Es bleibt deshalb vorerst bei den Kompromisslösungen Google Workspace und Whatsapp. Das Eine tun und das Andere (noch) nicht (ganz) lassen.

Natursaxe® unterwegs zu digitaler Souveränität

So wie auf dem Titelfoto wird es auf meinem PC nicht mehr aussehen. Der läuft jetzt unter Linux Mint – und zwar wie geschmiert. Microsoft ist Vergangenheit. Vergangenheit sind auch Facebook, Google Workspace, Whatsapp, Zoom und Webex. Noch nicht ganz vorbei ist die Zeit von Android auf dem Smartphone. Aber wenn es mal einen vollwertigen Ersatz gibt…

Durch den Verzicht auf o.g. Software hat sich auch die Kommunikationsbasis verändert. Allein durch das Löschen des Whatsapp- Kontos ist die Verbindung zu rund 50% meiner Kontakte auf diesem Kanal weggebrochen. Nicht alle werden es sofort merken. Manche erst, wenn sie ein Anliegen haben. Zum Glück gibt es Alternativen und Bewährtes. Per E-Mail und Telefon hat sich nichts geändert. Erreichbar bin ich auch weiterhin über Threema und Signal. Einen neuen Kanal habe ich auf Matrix eröffnet – siehe Impressum.

Warum dieser Wechsel? Weil es bringt praktisch nichts bringt, immer nur über die Möglichkeiten digitaler Souveränität und Resilienz zu philosophieren. Nachdem Behörden eines großen Landes jenseits des Atlantiks einem Juristen am Europäischen Gerichtshof den Zugang zu seinem Outlook- Konto und seiner Kreditkarte gesperrt haben – oder Microsoft und die Kartenfirma darum „baten“, wurde es höchste Zeit für alternatives Handeln. Vom Nachdenken und Reden ins Handeln kommen, lautet die persönliche Entscheidung. Das war einfacher als gedacht, auch wenn Zeit für die Umgewöhnung erforderlich ist. Doch der eingeschlagene Weg zu digitaler Souveränität und Resilienz gibt ein gutes Gefühl, auch wenn das Ziel noch nicht hundertprozentig erreicht ist.